Die Sache mit der Liebe
- Daniela Rath-Müller
- 3. Okt. 2024
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Okt. 2024

Wir waren alle schon einmal oder sogar öfters verliebt. Und die, die es noch nicht waren, sind vermutlich noch zu jung dafür. Aber grundsätzlich kennen vermutlich alle dieses wunderbare Gefühl, wenn man verliebt ist. Der andere erscheint einem engelsgleich, das gesamte Leben besteht plötzlich aus Zuckerwatte und Schokostreusel und auch der schlimmste Stau am Weg zu Schule oder Arbeit könnte einem dieses Gefühl nicht nehmen.
Wie war das damals, so jung und frisch verliebt? Puh, das ist schon wieder ein paar Tage her. Aber wenn ich mich recht erinnere, dann konnte ich es gar nicht abwarten, meinen Freund endlich wieder zu sehen. Und worüber haben wir gesprochen? Wir haben nicht gesprochen! Wir haben einander die Klamotten vom Leib gerissen und uns zusammen vergnügt. Natürlich steigt der Grad der Verliebtheit von Beziehung zu Beziehung, denn sonst müsste man sich ja eingestehen, dass der Vorgänger der bessere Partner gewesen wäre. Und ich kann mich noch erinnern, als ich meine allererste Beziehung, nämlich mit Sex, hatte. Damals hatte ich mich gefragt, warum eigentlich der erste Freund nicht auch der letzte bleiben könnte. Warum sagen alle, dass die erste Beziehung sowieso zum Scheitern verurteilt ist? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, dabei war ich im Dichten immer ganz gut.
Ich dachte mir, wir bräuchten doch immer nur genau so weiter machen, dann könnte doch überhaupt nichts schief gehen. Tja, diese Rechnung hatte ich ohne den Wirten gemacht, aber das werden Sie sich bestimmt schon gedacht haben. Was passiert also, dass diese große Verliebtheit irgendwann abnimmt? Auf der einen Seiten ist der chemische Liebescocktail, mit dem unser Hirn beinahe schon vergiftet wird, irgendwann aufgebraucht, auf der anderen Seite beginnt irgendwann der Alltag. Irgendwann hat man einfach alle tollen Lokale aus der Umgebung besucht, alle lustigen Abenteuer miteinander erlebt, alle Sorten an Reizwäsche angehabt und auch wieder ausgezogen, und auch im Bett (oder außerhalb) alles ausprobiert. Es kommt also der Moment, in dem aus dieser anfänglichen Verliebtheit Liebe werden kann. Für viele Paare ist hier bereits wieder Endstation, denn mit dem Fall der rosaroten Brille und dem Erkennen der vermeintlichen Mängel des Gegenübers gibt es hier eben schon oft kein gemeinsames Weiterkommen mehr. Für alle jene, die trotz abgelegter Brille ihr Gegenüber attraktiv und gut finden, geht die gemeinsame Reise weiter, nämlich Richtung Liebe. Man plant jetzt nicht nur das nächste Wochenende miteinander, sondern vielleicht schon den nächsten Sommerurlaub. Ein erster gemeinsamer Urlaub ist übrigens auch so ein Meilenstein, der richtungsweisend ist. Viele Paare kommen sich dabei besonders nahe, andere wiederum halten so viel Zeit mit dem anderen gar nicht aus. Aber gehen wir davon aus, aus dem ersten gemeinsamen Urlaub kommen noch beide glücklich nach Hause. Dann geht es irgendwann damit weiter, ob man nicht zusammen ziehen möchte. Es wäre nicht nur viel günstiger, sondern natürlich auch für die Beziehung viel besser, denn man müsste sich nicht mehr so koordinieren. Am Ende des Tages würde man bestimmt aufeinander treffen. Und gibt es denn etwas Schöneres, als mit dem Schatz gemeinsam vorm Fernseher zu sitzen und Bergdoktor zu schauen? Mit einer Packung Chips und im Lieblingspyjama?? (Sie müssen bitte meine Texte alle mit einer guten Portion Humor lesen, ich schreibe das alles mit einem kleinen Augenzwinkern!)
Herzlich willkommen, spätestens jetzt sind Sie in einer Beziehung! Und als aufmerksamer Leser fällt Ihnen vielleicht bereits jetzt auf, dass am Anfang noch alles aufregend war, und irgendwann ist es das eben nicht mehr. Und hier passiert etwas, sodass man als Paar gefordert ist, um nicht in diese Falle zu tappen, wie es doch fast alle tun. Aber sagen wir auch hier, das gemeinsame Leben gestaltet sich als angenehm und man findet Gefallen daran, nicht mehr alleine schlafen oder aufstehen zu müssen.
Unweigerlich kommt früher oder später das Thema KIND auf's Tapet. Damit meine ich nicht, dass man erst jetzt darüber spricht, OB man Kinder haben möchte, sondern WANN?! Denn eines ist auch klar: Wenn Frau sich mal ein hübsches Nest gerichtet hat, dann will sie darin auch irgendwann mal eine kleine Schar Küken haben. Natürlich darf man nie alle Menschen über einen Kamm scheren - Ausnahmen bestätigen die Regel! Und spätestens jetzt ist für das Paar die letzte Ausstiegsmöglichkeit gekommen, bevor es dann richtig kompliziert wird, denn klar ist auch, dass eine Trennung immer schmerzhaft ist, aber wenn Kinder im Spiel sind, wird es um diese eben noch schwieriger. Manche (Männer) ziehen also an dieser Stelle die Reißleine - böse Zungen munkeln, die hatten noch einmal Glück! Für alle anderen geht der ganz normale Wahnsinn los. Optimalerweise muss davor aber bitte noch geheiratet werden, in weiß, denn wir sind ja alle so unschuldig, und groß, denn ansonsten zählt es ja nicht, und möglichst exklusiv, denn man will schon besonderer geheiratet haben, als der ganze Pöbel um einen herum. Zum Thema Hochzeit werde ich mich ein anderes Mal in aller Intensität auslassen, aber heute geht es um die Liebe. (Haben Sie mein Zwinkern bemerkt?)
Ob die Paare nun zuerst heiraten und dann Kinder kriegen oder umgekehrt - hier beginnt der kleine Wahnsinn. Und was passiert, wenn denn dann Nachwuchs unterwegs ist? Anstatt die Paarzeit noch, so lange und so gut es geht, auszukosten, bevor die traute Zweisamkeit vorüber ist, werden Babypartys geschmissen, der Bauch muss eingegipst werden, weil sich das Kind später so sehr darüber freut "Was, so dick war die Mama?", Karten müssen ausgesucht und von Hand verziert werden, damit man nur mehr das Bild vom Neugeborenen reinkleben braucht, um es verschicken zu können, stapelweise werden Bücher gekauft und gelesen, und gestresst von einem Babyladen zum nächsten gelaufen, um ja den modernsten, schicksten und geländetauglichsten Kinderwagen von allen zu erstehen - und ganz ehrlich: Im Gelände habe ich schon viel gesehen, aber noch nie eine frischgebackene Mutter mit ihrem Säugling! Naja, um es abzukürzen, die ersten drei Monate kotzt die Frau, weil sie sich erst an die Hormonumstellung gewöhnen muss, die nächsten drei Monate wären dann super - viele werdende Mamis haben dann auch eine gesteigerte Libido -, müsste man nicht all diese Veranstaltungen abarbeiten, und im letzten Trimester ist dann meist der Bauch der Frau so groß, dass eben bald schon alles beschwerlich wird. Und wenn der Zwuck dann endlich das Licht der Welt erblickt hat, dann passiert wieder etwas, und zwar wirklich bei fast allen Paaren: Die Frau, die ja jetzt offiziell zur Mutter wurde, reißt spätestens jetzt das Ruder an sich. Ich finde man kann das sehr schön im Alltag beobachten. Da sitzen dann die Mami's am Steuer, die Papi's schweigend daneben, und fahren das Auto von A nach B, und die Mami's entscheiden, was das Beste für das Kind ist, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist, aber oft nimmt es einfach Überhand. Und plötzlich verbringt man als Jungfamilie fast jedes Wochenende bei den Eltern, oder schlimmer, bei den Schwiegereltern! Noch vor nicht so allzu langer Zeit hat man das Wochenende im Schlabberoutfit vorm Fernseher vergammelt. Noch hundert Jahre davor hat man es vervögelt, aber gut, was sag ich da, diese Zeiten sind ja bitte sowieso längst vorbei, das heißt, bis die Mami entschieden hat, dass nun das Geschwisterchen gebastelt wird. Dann darf der Mann plötzlich wieder ran - man könnte auch sagen, er mutiert zur Melkmaschine, denn sowie die Besamung erfolgreich war, ist dieses Vergnügen auch wieder eingestellt. Und bitte halten Sie mich jetzt nicht für eine verbitterte Zynikerin! Das bin ich wirklich nicht, nur humorvoll, vielleicht ein wenig (selbst)ironisch, okay, ich bin ein Sarkast durch und durch, aber kein Zyniker!
Und dann? Na dann sind Sie genau dort, wo fast alle anderen Paare landen: Die Frau mutiert immer mehr zur Mama und vergisst dabei, dass ihr Mann eigentlich auch noch da ist und auch gerne ein Stückchen von seinem Weibchen abhaben will; und der Mann wird immer frustrierter über den stetig wachsenden Liebesentzug der einst so liebenden, wundervollen Frau. Am Morgen steht man bereits genervt auf, weil ja das Baby alle wach hält. Die Mutter ist nach Wochen oder Monaten der Brutzucht ausgelastet oder vielleicht sogar etwas überfordert. Wenn der Mann nach der Arbeit nach Hause kommt, kriegt er das Kind in die Hand gedrückt mit den Worten: "Jetzt bist du mal dran". Und am Abend streitet man sich darüber, wer das nächste Mal mit Windeln wechseln oder Müll raus tragen dran ist. Ich gratuliere! Sie sind im absoluten Wahnsinn angekommen.
Was für Sie vermutlich etwas zynisch und ganz bestimmt auch übertrieben klingt, ist aber pure Realität, jedenfalls sehr oft. Aus Sex, Drugs and Rock'n'Roll sind Still-BHs, Babybreili und Windeltonne geworden. Und so passiert es dann leider nur zu oft, dass Frau und Mann unterschiedliche Vorstellungen von einem gemeinsamen Zusammenleben haben. Wer hier nicht versteht, dass das einfach Mechanismen sind, die so lange ihren Lauf nehmen, bis man aktiv etwas daran ändert, der wird sich früher oder später entweder in einer unglücklichen Beziehung oder vor'm Scheidungsrichter wiederfinden. Oder Sie kommen einfach zu uns! Wenn Sie sich in dieser Geschichte in irgendeiner Form wiederfinden, dann rufen Sie mich unverbindlich an. Ich bin mir sicher, dass meine Schule auch bei Ihnen klappt.
In diesem Sinne, alles Liebe.
Herzlichst,
Ihre Zynikerin, ähm, Daniela Rath-Müller
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