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Daria's Diary: 1 - Die Vorahnung

Aktualisiert: 2. Nov. 2024


1. Dezember 2022


Es war ein rauer Donnerstag, acht Uhr morgens, als Daria sich ihre Schuhe schnürte, um wie gewohnt ihre Runde zu laufen. Gedanklich versank sie in einen Dialog, den sie mit ihrem Vater hielt.

“Was soll ich tun, wenn du mal nicht mehr bist?”, stellte Daria sich die Frage, die aber an ihren Vater gerichtet war. “Willst du, dass ich deine Firma weiterführe?”, drehte sich ihr Gedankenkarussell weiter. “Sollen wir deine Firma verkaufen? Für wie viel sollen wir denn deine Firma verkaufen?”, stellte Daria sich weiter Fragen. Sie drehte die Musik, die sie immer im Ohr hatte, etwas lauter und versuchte, ihre absurden Gedanken loszuwerden. Plötzlich tauchte ein Bild vor ihrem geistigen Auge auf. Daria sah sich an einem Grab stehen, vor ihres Vaters Grab. Eine Träne rollte über das kalte Gesicht und wurde sogleich vom Laufwind davon geblasen.

“Warum habe ich heute eigentlich lauter Blödsinn im Kopf?”, war die junge Frau schon leicht verzweifelt. Aber egal, wie laut die Musik war, die Bilder wurden immer mehr. So sah Daria auf einmal all ihre Geschwister mit sich vor diesem Grab stehen. Unter Regenschirmen. So begann es auch während des Laufs zu regnen.


Eine Stunde später war die 35 Jährige wieder zu Hause. Völlig durchnässt und eiskalt vom Regen zog sie die nassen Sachen aus und wärmte sich unter der Dusche, oder besser gesagt, sie wollte sich wärmen, denn wieder einmal funktionierte der Warmwasser-Boiler nicht, sodass nur kaltes Wasser aus der Brause kam. “Bin ich schneller fertig und verbrauche ich weniger Wasser”, ging der überaus sparsamen Daria dabei durch den Kopf, wobei ihr eine warme Dusche in Wahrheit schon lieber gewesen wäre. Sie schrieb ihrem Verlobten eine Nachricht, und begann zu überlegen, was sie kochen könnte.

“Wann bist du zu Hause? Ich würde dann schon bald mit Kochen beginnen, und ich muss unbedingt mit dir reden!”, formulierte die junge Frau ihre Nachricht.

“Ich fahr gleich los. Was ist los? Ist was passiert? Soll ich dich am Heimweg anrufen?”, kam sofort die Nachricht von Adrian zurück.

“Nein, passt schon, danke. Ich erzähl’s dir dann lieber persönlich. Dann bis gleich.”

“Bis gleich, mein Schatz.”


Als Adrian zu Hause war, erzählte Daria ihm von ihrem Lauf.

“Ständig stand ich mit meinem Vater im Dialog! Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Und es hat nicht mehr aufgehört”, schilderte sie ihrem Freund alle Details.

“Naja, du wirst vermutlich Angst haben um deinen Dad!”

“Pffff. Angst haben. Nur weil mir meine Mutter einmal den Katzenoma-Tag absagt, weil es Papa nicht so gut geht?”, fragte sie ungläubig, wusste aber, dass ihr Freund Recht hatte. Sie unterhielten sich noch lange über dieses Thema, bis es Zeit wurde, zum Unterricht zu gehen. Das Paar war nämlich nicht nur privat sehr sportlich, sondern verdiente auch sein Geld damit. So gaben die beiden Pilates- und Yogaunterricht, und von Zeit zu Zeit veranstalteten sie einen Selbstverteidigungs-Workshop. Donnerstags ist am Nachmittag Pilates im Sportshaus. Diese Strecke von ca zwei Kilometern gingen sie immer zu Fuß, außer sie waren wirklich einmal zu spät dafür dran. Aber normalerweise haben sie dieses Training mit einem Spaziergang verbunden, bei dem sie am Rückweg noch einen Einkauf erledigen konnten.



19:30 Uhr


Später am frühen Abend, als alles erledigt war, drehten sie sich die Sauna auf. Adrian hatte für seine Liebste in der Loggia, für die keine richtige Verwendung gefunden wurde, da sie nicht beheizt werden konnte, eine Sauna rein gebaut. Und nachdem Daria am Vormittag schon bei ihrem zehn-Kilometer-Lauf nass wurde, nicht einmal warm duschen konnte, und auch am Nachmittag noch ca anderthalb Stunden zu Fuß in der Kälte unterwegs war, beschlossen die Zwei, an diesem Tag in die Sauna zu gehen.


Sie saßen auf den Holzbänken in dem mittlerweile heiß aufgeheizten Raum. Adrian lief bereits nach wenigen Minuten der Schweiß über’s Gesicht, Daria brauchte wesentlich länger für’s Schwitzen. Und wieder hing die junge Frau bei dem Zwiegespräch vom Vormittag fest.

“Ich kann das einfach nicht verstehen! Den ganzen Tag über hängt diese Wolke über mir”, erklärte sie wieder ihrem achtzehn Jahre älteren Freund.

“Naja, nachdem er letztes Jahr die Diagnose Nierenkrebs bekommen hat, ist es schon nachvollziehbar, dass du dir Sorgen machst.”

“Aber so? Ich frage ihn, was ich mit seiner Firma machen soll? Ich steh vor seinem Grab? Das ist doch alles nicht normal!”, war Daria ganz außer sich.

“Komm, jetzt versuch dich ein bisschen zu entspannen. Soll ich dir die Beine massieren? Die könnten doch bestimmt ein bisschen Zuwendung brauchen nach deinem Lauf heute. Wie schnell warst du eigentlich?”, ist Adrian neugierig.

“Ach, eh nicht so. Knappe Stunde bin ich gelaufen. Teilweise hatte ich das Gefühl, ich wollte vor diesem geistigen Dialog davon rennen, und auf der anderen Seite vergaß ich fast, dass ich eigentlich laufen sollte. Ganz komisch, das alles”, erklärte die Frau.


Adrian nahm das Öl, das eh schon sein fixes Plätzchen in der Sauna hatte, und begann, Daria’s Beine damit zu massieren. Er genoss es immer sehr, wenn er seiner Frau was Gutes tun konnte, und sie liebte es, wenn er das tat. Die beiden beschlossen, eine kurze Pause zu machen. Vor der Sauna hingen immer ihre beiden Handtücher bereit, mit denen sie sich abtrockneten. Adrian ging schon in die Küche voraus, um für sie ein Glas Wasser zu holen. Da läutete Daria’s Handy.

“Mama”, sagte sie mit einem Ausdruck in der Stimme zu Adrian, den man so nicht von ihr kannte. “Hallo Mama?”, fragte sie verunsichert, als sie das Telefonat annahm.

“Hallo Schatzilein”, begrüßte ihre Mutter sie zurück. Vom Läuten bis zur Begrüßung gingen Daria tausend Gedanken durch den Kopf. ‘Das hat nichts Gutes zu bedeuten’, ‘Es geht um Papa’, ‘So spät am Abend ruft sie sonst nie an’, …

“Was ist los?”, war die Sorge übergroß.

“Papa ist gerade gestorben.”

“Nein! Nein! Das kann gar nicht sein!”, schrie die junge Frau los. Dabei ließ sie das Handy fallen. Sie stand komplett nackt im Wohnzimmer, war völlig fassungslos und konnte nur schreien. Adrian nahm das Telefon an sich, während seine Freundin bereits nach den nächsten Gewandstücken griff.

“Ich muss zu ihm” kam nur immer wieder von ihr heraus, ansonsten nur Schluchzen und Geheule.

“Hallo Resi. Was ist passiert?”, informierte sich der Verlobte. Indes zog sich Daria irgendeine Jogginghose und einen Pulli an, ohne Unterwäsche und ohne sich abzutrocknen. Sie verzichtete sogar auf Socken und schlüpfte nur in ihre Ballerinaschuhe hinein.

“Ich muss zu Papa fahren”, sagte sie zu ihrem Verlobten, der aber noch immer nackt vor ihr stand und gerade erst das Telefonat mit ihrer Mutter beendet hatte. “Wo ist der Autoschlüssel?”, fragte sie ihn etwas gehetzt.

“Hier”, und gab ihn ihr. Sie hatten schon seit längerer Zeit nur mehr ein Auto gemeinsam. Sie nahm den Schlüssel und wollte sofort aus der Wohnung stürzen.

“Zieh dir wenigstens eine Jacke an! Es ist eiskalt draußen, wir haben Winter!”

Daria schnappte sich im Vorbeilaufen noch ihre Winterjacke und warf sie sich um. Sie setzte sich in’s Auto und düste so schnell sie konnte, ohne einen Unfall zu provozieren, zu ihrem Elternhaus, das nur knapp zwei Kilometer entfernt war. Normalerweise gingen sie immer zu Fuß zu ihnen, aber in diesem Fall machte die Sparmeisterin eine Ausnahme. Nur zwei oder drei Minuten später war sie beim Haus ihrer Eltern angekommen. Ihre Mutter wartete bereits auf sie und empfing sie mit Tränen im Gesicht und weit geöffneten Armen. Aber Daria hatte dafür keine Zeit, denn sie wollte nur zu ihrem Vater. Also ging sie direkt durch den Vorraum, ihre Schritte wurden bedachter und auch langsamer. Sie versuchte, sich auf das Bild, das sie gleich sehen würde, vorzubereiten. Doch dafür blieben nur zwei Schritte, denn schon war die Türe zum Wohnzimmer da und durch das Glas sah sie bereits ihren Vater auf der Bank liegen. Sie begann bitterlich zu weinen, denn er lag ganz leblos da.

“Ich bin zu spät! Nein, bitte, das kann doch nicht sein”. Auf einen Blick hatte sie erkannt, dass das Leben aus ihm heraußen war. Sie kniete sich neben ihren Vater hin und umarmte und küsste ihn liebevoll. Dann legte sie vorsichtig ihren Kopf auf seinem Oberkörper ab, und blieb noch lange in dieser Position.


Im Hintergrund hörte sie die Eingangstür. Adrian war mit seinem Fahrrad nachgekommen, doch das interessierte die Trauernde gerade überhaupt nicht. Daria ging kurz in die Küche hinaus, weil sie so viele Fragen hatte.

“Wie ist das passiert?”, wollte sie wissen.

“Naja, Papa ging es den ganzen Tag schon nicht sehr gut…”, begann ihre Mutter zu erzählen.

“Und warum hast du mich dann nicht schon die längste Zeit angerufen?”, klang Daria etwas vorwurfsvoll.

“Ich konnte doch nicht ahnen, dass der heute den Löffel abgibt!”, verteidigte sich die Mutter. “Außerdem ist es erst jetzt am Abend schlimmer geworden. Den ganzen Tag über war ihm nur kalt, und gegessen hat er nicht mehr, nicht einmal in die Firma ist er noch gefahren”, erzählte die Witwe. Daria dachte sich nur, dass das aber schon ein eindeutiges Anzeichen war, dass es ihrem Vater nicht gut ging, denn nie hätte ihn etwas abhalten können, in seine geliebte Firma zu fahren. “… und dann habe ich auch die Rettung gerufen, weil ich das Gefühl hatte, dass er es nicht mehr daschnauft. Er röchelte nur mehr, und ich dachte mir, jetzt kriegt er gleich keine Luft mehr”, fuhr die Pensionistin fort. Aber Daria konnte innerlich nur den Kopf beuteln und ging schnell wieder zu ihrem Vater. An dessen Seite hielt sie Totenwache.

Sowohl Victor, Daria’s Vater, als auch sie selbst glaubten an Übersinnliches. Beide machten auch ihr Leben lang immer wieder unterschiedliche Erfahrungen damit. Daria’s Vater sah oft Lichtpunkt oder Lichterscheinungen, Daria vernahm manchesmal einen kalten Schauer, sodass sie wusste, dass sie Besuch hatten. Vater und Tochter hatten auch viele Gespräche zu diesem Thema. Victor hatte sich auch oft im Internet informiert, welche übersinnlichen Phänomene es noch so gab. Auch Daria war lange davon überzeugt, dass die Seelen von Verstorbenen nicht einfach verschwinden, sondern dass sie durchaus weiterhin Kontakt zu den noch Lebenden haben können. So suchte auch an jenem Abend die traurige Frau ihren Vater, also die Seele ihres Vaters. Immer wieder blickte sie hoch und schaute umher, aber sie sah ihn nicht. Wieder umarmte und küsste sie ihren Vater vorsichtig.


In der Küche ging indes das Gespräch zwischen Adrian und Theresa, seiner zukünftigen Schwiegermutter, weiter. Daria interessierte das aber gar nicht. Sie war ganz und gar bei ihrem Vater und bedauerte diesen Verlust. Immerhin standen sich die beiden auch sehr nahe. Nach einer Weile ging sie aber doch wieder zu den anderen beiden in die Küche.

“Was mach ich jetzt mit der Firma? Ich kenn mich ja überhaupt nicht aus! Ich hab nicht mal eine Ahnung, wie viel die Wert ist…”, war ihre Mutter ganz aus dem Häuschen. Adrian stand gerade vorm Stiegenabgang zum Keller, die beiden Frauen saßen jetzt am Esstisch. Auf einmal deutete der Mann seiner Frau, sie solle zu ihm kommen. Daria sprang auf, und wusste sofort, was er meinte.

“Ist er etwa hier?”, fragte sie ihn.

“Ja. Komm her!”, und hielt ihr seinen linken Arm auf. Daria legte ihre rechte Seite an den Körper ihres Verlobten. Plötzlich begann sie zu weinen. Theresa beäugte die Situation vom Tisch aus und kannte sich nicht wirklich aus. Stumm betrachtete sie die beiden. Nach einer Weile löste sich das junge Paar voneinander.

“Er war gerade hier”, erklärte Daria ihrer Mutter. Diese wiederum verstand nur Bahnhof.

“Was meinst du damit?”, fragte sie ganz unwissend.

“Papa, er hat sich gerade von uns verabschiedet.”

“Ja, Victor war grad hier. Als ich dort stand, fühlte ich plötzlich seine Nähe. Das muss er gewesen sein”, erklärte Adrian.

“Ich hab’s sofort gewusst, was du mir gedeutet hast. Und Papa war da. Er ist noch einmal gekommen, um sich von uns zu verabschieden”, führte Daria fort und brach von neuem in Tränen aus. “Und jetzt geht er vermutlich auf Reisen und verabschiedet sich von seinen anderen Kindern. Apropos: Sind die anderen schon informiert?”

“Ja, ich habe sie schon angerufen, aber du warst die Erste. Ich dachte mir, du würdest dich noch persönlich von ihm verabschieden wollen, bevor die Männer von der Bestattung ihn abholen”, erklärte die Witwe.

“Ja, danke. Und wie geht es den anderen?”

“Naja, es sind alle sehr betroffen, aber ich denke, dein Schmerz ist der größte. Ich habe es immer befürchtet. Wenn Papa einmal geht, wird es dir das Herz zerreißen”, so Theresa.


Es war ein langer und vor allem sehr trauriger Abend. Die Bestattung hatte den Leichnam bereits abgeholt. Es war mittlerweile über 23 Uhr.

“Ich glaube, wir werden nach Hause fahren”, meinte schließlich Adrian.

“Ja, ich denke auch. Du kommst klar, Mama?”

“Ja, ja, danke. Du schau, dass du schlafen kannst”, meinte Theresa.

“Wir werden sehen.”

Die Leute verabschiedeten sich voneinander und die Jungen fuhren wieder zu ihrer Wohnung. Tausend Gedanken kreisten in Daria’s Kopf. Auch um all ihre Geschwister, denn mit denen hatte sie leider allesamt keinen Kontakt mehr.


Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, dann kann das oftmals seine Spuren hinterlassen. Und jeder von uns hat nach dem Ableben eines Nahestehenden andere Wünsche oder Bedürfnisse. Vereinbaren Sie gerne einen Termin mit mir, ich zeige Ihnen, wie Sie besser mit Ihrer Trauer, mit der Wut und dem Zurückbleiben umgehen können, um bald wieder das Glück in Ihr Leben lassen zu können.

Herzlichst, Ihre Daniela Rath-Müller

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